Geglückte Premiere für den Schaltanlagen-Praktikertag
Der erste Schaltanlagen-Praktikertag war ein voller Erfolg. Über 160 Teilnehmer fanden den Weg ins Kultur- und Kongresshaus in Aarau. Wie der Name erahnen lässt, gab es nicht nur trockene Theorie, sondern auch viele Einblicke in die Praxis.
Benno Fiechter, Ehrenpräsident des VSAS, begrüsste die Teilnehmenden zur Premierenausgabe des Schaltanlagen-Praktikertags in Aarau. Nach einer kurzen Einführung übergab er das Wort an Andreas Caplazi von Phoenix Contact. Er ist ein wahrer Fachmann für die Themen Blitzschutz, Überspannungsschutz, Erdung und EMV. Der erfahrene Produkt Manager eröffnete die Vortragsreihe mit seinem Referat zum Thema «Überspannungsableiter in der Schaltgerätekombination».
Was gibt es beim Überspannungsschutz überhaupt zu beachten? Entscheidend sind klare Schutzzonen und darauf abgestimmte Massnahmen. Wie Caplazi aufzeigte, ist die Umsetzung in der Praxis jedoch nicht immer einfach. Es gilt, die verschiedenen LPZs (Lightning Protection Zones) zu berücksichtigen und die richtigen SPDs (Surge Protection Devices) auszuwählen, richtig zu platzieren und fachgerecht anzuschliessen.
Hans-Martin Wüthrich, Leiter Technik bei der Bürki Electric AG, widmete sich dem Thema «Kurzschlusssichere Verlegungsart in Schaltgerätekombinationen.» In seinem Referat beantwortete er mehrere wichtige Fragen. Warum fordert die SN EN IEC 61439-1 eine kurzschlusssichere Verlegungsart, wann wird eine solche überhaupt verlangt und welche Möglichkeiten gibt es für eine kurzschlusssichere Verlegungsart nach Norm? Abschliessend ging er noch der Frage nach, wo denn die Grenze zwischen «normalen» Kurzschlussschutz und kurzschlusssicherer Verlegungsart liegt und wie diese durch die adiabatische Wärmeberechnung ermittelt werden kann.
Einblicke in die Praxis
Urs Bucher von der Almatec AG widmete sich dem Thema «IP-Standards im Schaltanlagenbau». Normen und Anforderungsprofile sind entscheidende Faktoren für die Auswahl des passenden Produkts. Die wichtigsten Normen, die es zu beachten gilt, sind laut Bucher die SN EN 60529, 62208 und 61439. Zum Anforderungsprofil gehören die Bauart, der Standort sowie besondere Betriebsbedienungen. Bucher ging vertieft auf die IP-Schutzarten ein und erklärte anschaulich die Unterschiede der einzelnen Kennziffern. Bei der Bauart geraten Themen wie Abmessungen, die Befestigungsart, Schnittstellen sowie Aufstellung oder Mobilität in den Fokus (wird das Gehäuse auf einem Sockel oder Fundament gestellt oder muss es gar beweglich sein?). Ebenfalls wichtig: Wie sind die äusseren Bedingungen? Ist das Gehäuse geschützt im Inneren oder steht es bei Wind und Wetter draussen? Diese Kombination aller Anforderungen ist entscheidend für die Gehäusewahl. Somit gilt es, die Anforderungen festzulegen, das Gehäuse auszuwählen, die Schutzart nachzuweisen und diese dann auch nachhaltig zu erhalten.
Matthias Baumeler von der Merki & Häfeli AG beendete den interessanten Vormittag mit einem äusserst praxisnahen Beitrag. Anhand eines auf der Bühne platzierten Schaltschranks zeigte er live, was die einzelnen Punkte auf einem Schücknachweis-Protokoll genau bedeuten und worauf bei der Kontrolle zu achten ist. Auch das Nachmittagsprogramm war praxisnah gestaltet und umfasste unter anderem die Themen Crimpen von Aderendhülsen, die Wirkung von Kabelschirmen und EMV in der Schaltschrankplanung.