Brandschutz für riesige LED-Decke
Im Herzen der nordenglischen Metropole Manchester trifft Geschichte auf Zukunft: Wo einst Zeitungen gedruckt wurden, wird heute gegessen, getanzt, trainiert, gespielt – und eine beeindruckende 115 Meter lange LED-Installation in 40 Metern Höhe bestaunt. Eine einzigartige Sicherheitslösung sorgt dafür, dass das Erlebnis für die Besucher unbeschwert bleibt.
Eine Warnung vorweg: Wer dieses Gebäude im Herzen von Manchester betritt, sieht die Welt anschliessend mit anderen Augen. Bereits aussen beeindruckt die Fassade der Geschäftshäuser aus dem späten 19. Jahrhundert, in denen sich heute Restaurants, Unterhaltungsangebote, Freizeiteinrichtungen und Bars befinden. Kaum betritt man die Ladenpassage, die quer durch das Areal verläuft, geht der Blick unweigerlich nach oben. In 40 Metern Höhe, wo üblicherweise eine Decke oder eine Glaskuppel vor Wind und Wetter schützt, tanzen die Lichter. Wie ein 115 Meter langes, animiertes Kunstwerk erstreckt sich eine beeindruckende 1000 Quadratmeter grosse digitale Decke. Sie macht den Besuch im Printworks zu einem immersiven Erlebnis. Die Farben spiegeln sich auf dem Fussboden und in den Scheiben wider, die Hintergrundmusik aus den Lautsprechern ist auf die Bewegtbilder abgestimmt. Diese imposante Multimedia-Installation brachte den bisherigen Brandschutz für die 34 000 Quadratmeter grosse Entertainmentfläche an seine Grenzen. Aus diesem Grund wurde die Protec Fire and Security Group (Protec UK), ein Tochterunternehmen von Bosch, beauftragt, das System zu optimieren.
Europas grösste LED-Decke erforderte Pionierarbeit beim Brandschutz
Der Komplex, in dem sich das Printworks befindet, besteht aus drei Gebäudeteilen, die durch die überdachte Flaniermeile miteinander verbunden sind. Auf einer Seite stehen die Hallen der ehemaligen und namensgebenden Zeitungsdruckerei. Ihnen gegenüber liegen die früheren Redaktionsräume und Lagerhallen. Wo einst auflagenstarke Tageszeitungen produziert wurden, wird heute Indoor-Minigolf gespielt, Karaoke gesungen, ins Kino gegangen oder Fitness betrieben. Der Gebäudekomplex wurde im Jahr 2000 zum Entertainment-Center umfunktioniert und 2023 erfolgte die aufwendige Sanierung bei laufendem Betrieb. Seit 2024 ist die Passage mit der grössten LED-Decke Europas überdacht. Sie setzt sich aus über zehn Millionen Pixeln zusammen und wie auf einer Leinwand werden 3D-Animationen oder künstlerische Farbcollagen ausgespielt. Nach Angaben der Betreiber ist es das weltweit einzige derartige LED-Modul, das auf seine Brennbarkeit getestet wurde und nach den in UK geltenden Richtlinien zertifiziert ist.
«Unser Unternehmen ist seit über 15 Jahren für die Brandschutzlösung im Printworks zuständig», sagt Chris Marsh, Service Sales Manager bei Protec UK. «Wir kennen deshalb die vielen verwinkelten Gebäude des Areals in- und auswendig.» Ziel war es, das aktuelle Brandmeldesystem so umzugestalten, dass auch der Brandschutz für die neuen LED-Screens gewährleistet werden kann. «Die Betreiber vertrauten auf die Expertise unseres Teams, die innovative Idee realisieren zu können», ergänzt Chris Marsh. Durch die Elektronik an der Decke bedeutete dies in erster Linie, eine Alternativlösung für die dort normalerweise installierte Feuerlöschanlage zu entwickeln. «Ausserdem kümmerten wir uns um die Modernisierung der bereits vorhandenen Systeme zur Branderkennung und statteten das Areal mit Ansaugrauchmeldern aus», erläutert Chris Marsh.
Selbstlernende Algorithmen erkennen, wenn das Partyfieber in Feuer umschlägt
«Nach einer Besichtigung des Standorts mit den Betreibern des Printworks diskutierten wir, wie die Feuerlöschanlage neu konfiguriert werden sollte. Wenn wir das System so belassen hätten, wie es war, nämlich an der Decke, wären die LED-Paneele bei einem Feueralarm nass geworden», erklärt Chris Marsh. Sein Kollege Alan Davies ist Experte für Brandmeldesysteme. Er teilte die 115 Meter lange LED-Decke, die über der Passage verläuft, in vier Sektoren auf und brachte an den umliegenden Wänden Ansaugrauchmelder an. «Normalerweise setzen wir bei solchen Deckenhöhen optische Brandmelder oder videobasierte Branderkennung ein. Aber hier hätte es sein können, dass das Licht, das von der LED-Decke abstrahlt, zu Fehlalarmen führt. Deshalb installierten wir Ansaugrauchmelder und spezielle Flammenmelder, die in einer Höhe befestigt sind, die unser Serviceteam für Inspektionen und Tests ohne spezielle Hilfsmittel erreicht. Das macht die Wartung einfacher und stört den Publikumsverkehr nicht», erläutert Alan Davies. «Das System ist so konzipiert, dass ein einzelner Melder keinen Alarm auslösen kann; er muss immer durch einen zweiten Melder bestätigt werden.» Im Alarmfall wird ein Signal an das Sicherheitsteam im Kontrollraum übermittelt und gleichzeitig wird ein Countdown aktiviert. Das Sicherheitsteam hat drei Minuten Zeit, um zu überprüfen, ob ein Feuer vorliegt oder den Alarm zu deaktivieren. Geschieht das nicht in den 180 Sekunden, wird die Sprinkleranlage ausgelöst. Der Kunde möchte schliesslich vermeiden, dass Besuchende grundlos nass werden. «Wird der Alarm ausgelöst, prüfen die Sicherheitsmitarbeitenden über eine Videolösung sofort die Situation vor Ort und können Personal gezielt zum betroffenen Bereich schicken», ergänzt Chris Marsh.
«Das Ansaugsystem kombiniert zwei Technologien: einen hochempfindlichen Detektor, der auf Lichttrübung reagiert, und einen für unsichtbare Teilchen. An 41 Probenahmestellen wird die Luft kontinuierlich über Ansaugrohre eingesogen und zur Analyse zu den Detektoren geleitet. Die selbstlernenden Algorithmen analysieren die Luft auf Rauchpartikel. Übersteigt die gemessene Partikelkonzentration einen festgelegten Schwellenwert, löst das System Brandalarm aus. Gleichzeitig überwachen auch spezielle Flammenmelder den Bereich. Wird das Licht der Flammenerkennung durch Rauch gebrochen, wird, wenn die Partikel ein bestimmtes Level übersteigen, ein Alarm ausgelöst. Erst wenn beide Systeme übereinstimmend Alarm schlagen, wird der Kontrollraum alarmiert», erklärt Alan Davies, der dafür zuständig war, die genaue Platzierung der Detektoren zu berechnen. Seine Aufgabe bestand darin, das Raumvolumen so zu berechnen, dass die Luftproben flächendeckend und im erforderlichen Standard erfolgen. Im Rahmen der Projektumsetzung kamen unvorhergesehene Überraschungen hinzu. «Ein über 150 Jahre alter Standort wie dieser hat seine Tücken. Die Löschanlage war bereits in die Jahre gekommen und Rohre mussten neu verlegt werden. Das alles geschah unter enormem Zeitdruck und bei laufendem Betrieb», ergänzt Chris Marsh.
Nächtliche Präzisionsarbeit in 40 Metern Höhe
Die grösste logistische Herausforderung war zweifellos die Installation der neuen Systeme in schwindelnder Höhe bei laufendem Betrieb in der Location. «Um das Projekt mit all den unterschiedlichen Gewerken zu koordinieren, gab es wöchentliche Meetings mit den Architekten und der Bauleitung. Zuerst brachten wir die Brandmelder an, danach wurden die Anschlüsse und Zuleitungen für die Sprinkler verlegt und schliesslich die Brandmeldeanlage getestet. Anschliessend kamen die Elektriker, um die drei Mega-Bildschirme an der Decke zu fixieren», sagt Chris Marsh. Die Passage wurde dafür in vier Sektoren aufgeteilt. In der ersten Zone wurde ein grosses Gerüst aufgebaut, um die Brandschutzsysteme und LED-Bildschirme zu installieren. Anschliessend wurde das Gerüst in die nächste Zone versetzt und so weiter. Allein das initiale und finale Auf- und Abbauen des Gerüstes dauerte zwei Monate.
«In den Zeiten, die uns auf dem Gerüst zugeteilt waren, arbeiteten wir vor allem nachts von zwei Uhr bis sechs Uhr morgens, um den Betrieb tagsüber in den Geschäften und Restaurants und abends im Kino, den Pubs und Bars nicht zu stören. Während das Gerüst versetzt wurde, kümmerten wir uns um das Brandschutzsystem im Inneren der Gebäude und bereiteten die Arbeiten für den nächsten Sektor vor», erinnert sich Chris Marsh. «Das Projekt war in all seinen Facetten ungewöhnlich und komplex, denn parallel zu unseren Arbeiten liefen in den Gebäuden weitere Umbaumassnahmen. Dadurch kam es immer wieder zu veränderten Abläufen, auf die wir flexibel reagieren mussten. Ich bin stolz, dass der Kunde mit dem Ergebnis zufrieden ist und wir im Budget geblieben sind.»