Glasfasernetze: Der Bedarf an Bandbreite steigt weiter

«Fiber to the X» bleibt der Schlüssel für die Zukunft, denn der Glasfaseranschluss ist heute so wichtig wie Strom und Wasser. Ausgedehnte Glasfasernetze ermöglichen weit mehr als moderne Telekommunikation, HD-Streaming und Gaming. Sie sind ein entscheidender Faktor für die digitale Transformation von Industrie, Arbeitswelt, Bildung, Kommunen und Gesellschaft. Doch wie steht es um die Netze?

Glasfaser
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Der Ausbau der Glasfasernetze für die FTTH-Versorgung ist in den meisten Ländern noch längst nicht abgeschlossen. Weltweit setzen Staaten und regionale Verwaltungen ihre Bemühungen fort, die Ausweitung von Breitbanddiensten in ländlichen und unterversorgten Regionen zu subventionieren und zu finanzieren. Selbst in vielen Grossstädten und urbanen Regionen müssen Glasfasernetze vollendet werden. Der FTTH-Trend entwickelt sich heterogen:

In Europa gibt es einige Regionen, in denen der Glasfaser-Rollout verzögert, reduziert oder sogar gestoppt wird. Der FTTH Council Europe geht dennoch von einem weiterhin soliden Investitionsverhalten aus und prognostiziert steigende Nutzerzahlen. Süd- und Osteuropa, Lateinamerika, der Mittlere Osten und Afrika beschleunigen hingegen den grossflächigen FTTH-Ausbau.

Berichte aus Asien besagen, dass der FTTH-Ausbau 2026 in einen neuen Wachstumszyklus eintritt, angetrieben durch Industrialisierung, Urbanisierung und eine wachsende Mittelschicht. Die Nachfrage nach Glasfaserkomponenten, insbesondere nach Outdoor-Komponenten, steigt.

Eine nahezu flächendeckende FTTH-Versorgung können Hongkong, Singapur, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate, Island und beispielsweise auch Barbados vorweisen.

Treibende Kräfte für eine zusätzliche Nachfrage nach Glasfasernetzen

Mitten im langfristig angelegten FTTH-Rollout treten neue Akteure auf, die ebenfalls eine weitverzweigte Glasfaserversorgung fordern. Vier Beispiele: 5G, Edge, KI, Mobility.

Sie sind auf die Verfügbarkeit von Glasfasern sowie eine grosse Anzahl von Anschlusspunkten angewiesen. Sie setzen voraus, dass Glasfasernetze der nächsten Generation überall bereitstehen oder möglichst rasch gebaut werden. Die Anforderungen sind hoch, alle typischen Parameter werden adressiert: Nähe, Verfügbarkeit, Kapazität, Latenz, Zuverlässigkeit, Redundanz, Konvergenz, Dichte und Skalierbarkeit der Glasfaserinfrastrukturen.

5G braucht Glasfasernetze überall

5G mit seinen Datenraten im Multi-Gbit/s-Bereich benötigt quasi überall direkten Zugang zu einem hochverfügbaren Glasfasernetz. Nur so lässt sich eine Latenz von unter 10 Millisekunden zwischen Millionen Endgeräten, Funkzellen und Rechenzentren sicherstellen. Viele neue Anwendungen wie AR/VR und Robotaxis setzen eine Echtzeit-Datenübertragung voraus.

Gefragt sind komplexe Glasfaserinfrastrukturlösungen für Small Cells, Fiber to the Antenna (FTTA) sowie für die Front-Haul- und Back-Haul-Ebene. Wo eine vollständige 5G-Abdeckung entstehen soll, müssen Glasfasernetze verdichtet werden. Das verändert traditionelle Netzarchitekturen. Unter Umständen liefert die bestehende Backbone-Struktur nicht die erforderliche Performance und Reserven.

Die Lösungen müssen sich jeder Umgebung anpassen können, denn 5G-Antennen werden an den ungewöhnlichsten Stellen installiert, beispielsweise an Strassenlaternen oder Werbetafeln. Die fiberoptischen Komponenten müssen in diesen Umgebungen dauerhaft zuverlässig funktionieren und entsprechend robust ausgelegt sein.

Dezentrales Computing über Glasfasernetze

Edge Data Center bringen hohe Rechenleistung näher zu Cloud-Nutzern, Unternehmen, intelligenten Fabriken oder Kunden im öffentlichen Sektor. Diese dezentralen Computing-Ressourcen benötigen an ihren Standorten einen direkten Zugang zu Highspeed-Glasfasernetzen. So können grosse Datenmengen schnell genug empfangen und verarbeitet werden.

Glasfasernetze sind Voraussetzung für KI-Anwendungen

KI und Large Language Models übertreffen alles. Durch die Anwendung von KI in Unternehmen, im Gesundheitswesen, in Verwaltungen bei mobilen Diensten oder bei den Konsumenten steigt das global bewegte Datenvolumen nochmals dramatisch an.

KI benötigt Verbindungen mit hoher Bandbreite und extrem niedriger Latenz. Erforderlich sind direkte und kurze Zugänge, ausfallsichere Leitungen sowie verbesserte optische Technologien.

Durchgängige fiberoptische Infrastrukturen, die von KI-Rechenzentren bis zu den Kunden und Anwendern reichen, können die nötige Performance bieten. Dazu müssen vielerorts Glasfasernetze ausgebaut und verdichtet werden.

Verkehrswege in der Transformation

Die Mobilität der Zukunft erfordert Glasfasernetze entlang der Verkehrswege. Selbst in den fortschrittlichsten Ländern besteht ein massiver Bedarf an Netzausbau.

Fiberoptische Infrastrukturen an Schienen und Autobahnen sowie in Bahnhöfen, Tunneln, Häfen und Logistikzentren werden vieles in ein Mobilitätsnetzwerk integrieren. Dazu gehören Fahrzeuge, Züge, Leitsysteme, Terminals, Sensoren, Signalanlagen, Smartphones etc.

Wie lassen sich Glasfasernetze kosteneffizient ausrollen?

Aufgrund des offensichtlichen Bedarfs werden öffentliche und private Glasfasernetze weiterhin in grossem Umfang ausgebaut und verdichtet. Doch der Investitionsaufwand bleibt erheblich, weshalb sich die Frage nach Kosteneffizienz und Return on Invest dringender denn je stellt.

Drei Ansätze für Kosteneffizienz, die 2026 beachtet werden sollten:

  • Konvergenz
  • Vorkonfektionierung
  • Freiluftverkabelung

Bei Konvergenz geht es darum, vorhandene und auszubauende Infrastrukturen als Ganzes zu betrachten – aus technischer, operativer und wirtschaftlicher Perspektive. Fiberoptische Infrastrukturen lassen sich im Verbund entwickeln. Festnetz, 5G, FTTH, Betreiber von Internet- und Datentransportnetzen, Smart Cities, grosse Unternehmen, Rechenzentren, Verkehrs- und Schienenwege, sie alle benötigen die gleichen Glasfaserlösungen. Es geht darum, von Ende zu Ende und quer zu denken, Faserkapazitäten maximal auszuschöpfen und Komplexität herauszunehmen.

Konvergenz bedeutet auch, dass Anbieter ihre Märkte nicht mehr getrennt betrachten, sondern kooperieren und nach Synergien suchen. Der FTTH Council Europe rät zu einem strategischen Wechsel: weg von traditionellen, vertikal integrierten Silo-Ansätzen und hin zu offenen und vereinheitlichten optischen Zugangsnetzen. So führt Konvergenz zu Kosteneffizienz und die Kapitalrendite verbessert sich insgesamt.

Die Vorteile vorkonfektionierter Lösungen

Vorkonfektionierung ist ein Ansatz, um den Glasfaserausbau um Dimensionen effizienter umzusetzen als die herkömmliche Feldmontage. Das Verständnis für die Unterschiede, Vorteile und Auswirkungen auf Budget und Zeitpläne ist entscheidend für die Auswahl der besten Ausbaustrategie. Laut Branchenanalysten steigt die Nachfrage nach Vorkonfektionierung.

Vorkonfektionierte Kabel sind zwar in der Anschaffung teurer, aufgrund der Einsparungen bei den Arbeitskosten und der verkürzten Installationszeit fallen jedoch die Gesamtbetriebskosten niedriger aus. Studien zeigen, dass vorkonfektionierte Lösungen die Gesamtinstallationskosten halbieren und die Bereitstellung um 70 % beschleunigen können, insbesondere in urbanen Bereichen. Durch die Vorkonfektionierung entfällt das Spleissen im Feld. Deshalb lassen sich Installationszeit, Personal- und Gerätekosten drastisch reduzieren. Sie ist eine attraktive Option für Regionen mit hohen Löhnen und Regionen mit einem Mangel an Fachpersonal.

Schneller Netzausbau mit Freiluftverkabelung

Freiluftverkabelung ist ein Ansatz, um Glasfasernetze um Dimensionen effizienter als Erdverkabelung auszurollen. Im direkten Vergleich ist sie etwa zweieinhalb Mal kosteneffizienter und schneller. Das geht aus einem Report der Fiber Broadband Association (FBA) in den USA hervor.

Mit selbsttragenden ADSS-Kabeln lassen sich unter optimalen Bedingungen 4 bis 5 Kilometer pro Tag realisieren. Bei der Erdverkabelung sind 500 Meter pro Tag machbar. Kleine Bautrupps stellen die Masten schnell, flexibel und kurzfristig an Strassen und Wegen auf und befestigen mit wenig Aufwand die Kabel und Muffen. Die Kosteneffizienz gleicht die Nachteile, wie z. B. einen erhöhten Inspektions- und Wartungsaufwand oder Ausfallrisiken durch Unwetter, aus.

Freiluftverkabelung eignet sich besonders gut für die Erschliessung von suburbanen Regionen und ländlichen Gebieten. In ländlichen Regionen gibt es viele potenzielle Kunden, die alle Vorteile der Glasfaser-Breitbandversorgung nutzen möchten. Ebenso gibt es da viele Gewerbestandorte mit mittelständischen Industriebetrieben, die vermehrt KI- und Cloud-Dienste nutzen wollen und auf Glasfaseranschlüsse warten.

Die Materialanforderungen sind hoch. Produkte für die Freiluftverkabelung müssen über Jahrzehnte hinweg Nässe, Eis und dem UV-Licht standhalten. Je nach Netzarchitektur, Spannweite und Klimazone müssen Glasfaserkabel geeignete Tragfähigkeit, Zugfestigkeit und Geometrie mitbringen. Wiederverschliessbare Gehäuse müssen dauerhaft schlagfest sowie staub- und wasserdicht bleiben. Die Befestigungstechnik und die Stecker müssen Zug, Torsionen und Temperaturschwankungen standhalten.

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