Der Elektriker als Vernetzer

Elektriker gehören zu den zentralen Akteuren, wenn es darum geht, die energie- und informationstechnischen Herausforderungen dieser Zeit zu meistern. In allen Bereichen der Energiewende sind sie mit ihren Kompetenzen gefordert. Denn sie verbinden die verschiedenen Komponenten zur Erzeugung, Übertragung und zum Verbrauch von elektrischer Energie zu einem funktionierenden, dynamischen Ganzen.

Vernetzer
Ob PV, Speicher und/oder Boiler, Elektroinstallateure spielen eine zentrale Rolle in der Energiewende.
Quelle: Electrosuisse

Die Energiewende betrifft ein komplexes Feld an unterschiedlichsten Teilsystemen, die miteinander vernetzt sind – und dabei besonders im Fokus und involviert sind Fachpersonen mit unterschiedlichen Kompetenzen. Solarteure kümmern sich um Photovoltaik (PV)-Anlagen und zugehörige Batteriespeicher. Ladestationen werden oft in Zusammenarbeit mit einem Autohändler beschafft. Weitere involvierte Fachleute sind Sanitärinstallateure, Heizungs- und Klimatechniker, hinzu kommen Bauhandwerker. Im Zusammenhang mit Netzwerken, Kommunikation und Automation sind unter Umständen auch Netzwerktechniker gefragt und mit ihnen wiederum der Elektroinstallateur. Schliesslich sind die Vorgaben der Netzbetreiber und spezifische Normen und Regulationen zu beachten, die alle Beteiligten betreffen.

Smart-Home-Systeme mit ihren zahlreichen Teilsystemen stellen hohe Anforderungen an die Koordination von Arbeitsprozessen und die Kooperation der entsprechend spezialisierten Beteiligten. Bei aller Komplexität darf der Kunde als Akteur nicht vergessen werden, dessen Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt und erfüllt werden müssen und der transparent und kompetent begleitet werden will.

Prosumer

Eine optimale Kombination von PV-Anlagen, Batteriespeichern, modernen HLKS-Anlagen und Elektromobilität ermöglicht eine optimale Nutzung von erneuerbaren Energien. Wer bis anhin Konsument war, wird zum Prosumer, das heisst zum gleichzeitigen Produzenten und Konsumenten von elektrischer Energie. Die aktuelle Preisentwicklung sowohl beim Bezug als auch beim Rückspeisen von elektrischer Energie zeigt deutlich auf, dass der Weg zu einer kosteneffizienten und netzdienlichen Prosumer-Anlage über die Optimierung des Verbrauchs führt. Der Schlüssel hierzu ist eine intelligente Steuerung und Regelung der Anlagen, wobei der Informationsfluss zu einem unabdingbaren Begleiter der Energieflüsse wird. Auch in diesem Feld spielen Elektroinstallateure eine zentrale Rolle: Als Vernetzer zwischen Netzbetreibern und Prosumern wie ebenso als Installateure von Anlageteilen und Steuerungen obliegt es ihnen, die neue Generation von kombinierten Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen zu erstellen und ans Netz zu bringen.

Prosumer
Bei Prosumer-Installationen ändert sich die Energierichtung oft mehrmals täglich.
Quelle: Electrosuisse

Smart Home

Wer sich als Elektroinstallateur in Smart-Home-Projekten engagiert, braucht heute mehr als das in der klassischen Elektroinstallation gefragte technische Know-how. Zusätzlich erforderlich sind spezifische Kenntnisse in Sachen Energiemanagement, Normen und Kommunikationstechnik – und nicht zuletzt ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Kundschaft. Denn diese wünscht ein System, das zuverlässig, nachhaltig und möglichst autark arbeitet.

Wichtig ist dabei nicht allein die Technik, sondern auch die Beratung. Wie viel Automation ist gewünscht? Wie soll eine PV-Anlage dimensioniert sein? Wie viel Speicher macht Sinn? Lohnt sich eine Notstromversorgung? Welche Systeme müssen bzw. können miteinander kommunizieren? – Bei der Klärung solcher und vieler weiterer Fragen kann und muss der Elektroinstallateur seine Kompetenzen einbringen.

PV, Speicher und Autarkie

In der PV-Technik hat sich in den letzten Jahren viel getan. Monokristalline Siliziumzellen dominieren den Markt. Sie bieten einen guten Wirkungsgrad bei vertretbaren Kosten.

Dabei ist zu beachten, dass eine fortgesetzte Preisentwicklung nach unten bei Solarpanels nicht garantiert ist. Zwar sind die Kosten pro installierte Leistung in den letzten Jahrzehnten massiv gesunken, doch können Engpässe in Lieferketten, Zollkonflikte und die steigende Nachfrage wieder zu Preisanstiegen führen, wodurch die Planungssicherheit eingeschränkt wird.

Wer PV-Strom effizient nutzen will, benötigt eine Speicherlösung. Standard sind heute die langlebigen und brandsicheren Lithium-Eisenphosphat-Batterien. Auch netzunabhängige Stromversorgungen werden zunehmend nachgefragt. Viele Kunden erwarten, dass ihre PV-Anlage auch bei einem Netzausfall Strom liefert, was ohne Inselbetrieb und geeignete Umschalttechnik jedoch unmöglich ist und im Wohnbau oft kaum über den Status eines spannenden Gimmicks hinausgeht. Diesbezüglich ist eine fachkundige Beratung gefragt, die auch eine realistische Einschätzung von Nutzen und Kosten beinhaltet.

Wärme clever erzeugen

Bisher noch unterschätzt wird die Bedeutung der Elektroinstallation im Zusammenhang mit der Wärmeerzeugung. Entsprechend liegen oft grosse Potenziale brach, etwa in der (intelligenten) Steuerung von Heizstäben oder Kombispeichern. Wer weiss, wie sich PV-Leistungskurven im Jahresverlauf verhalten, kann über die variable Setzung von Schwellenwerten oder den Einbau von Heizstäben, deren Leistung sich nach der verfügbaren Sonnenenergie ausrichtet, gezielt eingreifen.

Auch eine hydraulische Entkopplung der Wärmepumpe von der Verbraucherseite via Pufferspeicher kann den Stromverbrauch optimieren und reduzieren.

Prosumer
Lastgang einer Prosumer-Anlage: Wer den Eigenverbrauch optimiert, profitiert.
Quelle: Electrosuisse

Elektromobilität im System denken

Mit dem Elektroauto zieht vielerorts ein grosser Verbraucher in Wohnbauten ein – und damit ein potenzieller Energiespeicher, wodurch der Einbau intelligenter Ladestationen, die den Solarstrom optimal nutzen, erforderlich wird. Das bidirektionale Laden, bei dem Autobatterien bei Bedarf Energie ins Haus oder ins Netz speisen können, kündigt sich an. Für das Elektroinstallationsgewerbe bringt diese Entwicklung neue Chancen. Sie stellt aber auch neue Anforderungen z. B. in den Bereichen Beratung, Auslegung und Lastmanagement.

Bildung und Weiterbildung für die Zukunft

Technik und Industrie entwickeln sich rasant weiter und mit ihnen die Anforderungen an die Berufsleute. Was gestern noch Spezialwissen war, gehört heute zum Grundrepertoire eines Elektroinstallateurs. Ob Digitalisierung, Sektorkopplung, intelligente Netze, Elektromobilität oder Einbindung von Speichern: Neu- und Weiterentwicklungen auf diesen und anderen Gebieten fordern von Elektroinstallateuren ein entsprechendes technisches Verständnis und insbesondere die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Damit Elektroinstallateure ihrer Berufsrolle weiterhin gerecht werden können, braucht es eine entsprechende Grundausbildung und eine Weiterbildungskultur in den Betrieben, die darauf abzielt, mit den technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.

Die Berufsbildung reagiert mit neuen Berufsbildern und einer Vielzahl von Weiterbildungsangeboten auf den technologischen Wandel. Es entstanden spezialisierte Fachrichtungen wie z. B. Gebäudeinformatiker, Fachleute für erneuerbare Energien oder Energieberater Gebäude. Auch die höheren Berufsbildungs- und Technikerschulen erweitern ihr Portfolio um Inhalte wie z. B. Netzmanagement, Kommunikationsprotokolle, Erweiterte Normenkompetenz und Gebäudeautomation.

Wichtige Elemente dieses Wandels sind Normenwerke wie die NIN. Diese regelt zunehmend auch Bereiche, die lange Zeit ausserhalb der klassischen Installation angesiedelt waren, so etwa im Teil 8 der NIN, wo Bestimmungen und Hilfestellungen zu Energieeffizienz und Prosumer-Installationen zu finden sind. Die Verschiebungen von Normgrenzen zwingen alle Beteiligten dazu, ihr Wissen regelmässig zu aktualisieren und neue Kompetenzen zu entwickeln. Eine Folge davon ist, dass sich Berufsbilder wandeln: Der Elektroinstallateur bleibt zwar in erster Linie ein Handwerker. Er muss aber auch digitale und systemische Prozesse verstehen und Verantwortung im Umgang mit komplexen Systemlandschaften übernehmen können.

Kompetenz im Wandel

Die Rolle des Elektrikers hat sich verändert und erweitert: Er ist nicht mehr nur als Installateur gefragt, sondern immer mehr auch als Koordinator und Energieberater. Wer sich den erweiterten und sich stets weiter wandelnden Herausforderungen stellt, kann technische Systeme zeitgemäss gestalten und Kunden von Innovationen überzeugen. Kompetenzen müssen insbesondere dort vorhanden sein, wo viele Fäden zusammenlaufen, also beim Elektroinstallateur, der mit seinem breiten Fachwissen zur Klärung offener Fragen und zur Erarbeitung zukunftsfähiger Lösungen beitragen kann.