DC-Ladeinfrastruktur planen und installieren: Ein Leitfaden für das erste Projekt

Vor wenigen Jahren standen Elektroinstallateure noch vor ihren ersten E-Mobility-Projekten. Heute planen und installieren sie AC-Ladeinfrastruktur routiniert – 11 oder 22 kW, Lastmanagement und Systemanbindung gehören zum Alltag. Bei DC-Projekten fehlt diese Routine. Wer aber bereits Erfahrung mit AC-Ladeinfrastruktur hat, steigt mit überschaubarem Zusatzwissen in DC-Projekte ein.

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Quelle: Simplee

DC-Projekte: Das Wichtigste für Installateure

Wer DC-Projekte strukturiert angeht, reduziert Komplexität, vermeidet Nacharbeiten und erhöht die Planungssicherheit. Diese Punkte dienen als kompakte Orientierung für den erfolgreichen Einstieg in DC-Ladeinfrastruktur:

  • Anwendungsfall verstehen: Reale Nutzung statt theoretische Maximalleistung – das spart Geld und verhindert Überdimensionierung.
  • Energieverfügbarkeit früh prüfen: Netzanschluss, Leistungsreserven und potenzielle Engpässe vor der Gerätewahl analysieren.
  • Standort sauber aufnehmen: Platzverhältnisse, Tiefbau, Erschliessung, Verkehrsführung und Kommunikation (Backend!) dokumentieren.
  • Gesamtsystem statt Einzelgerät: DC-Ladeinfrastruktur mit Lastmanagement, PV und Speicher von Anfang an zusammen denken. Skalierbar, integrierbar und betrieblich sinnvoll.
  • Skalierbarkeit einplanen: Leitungen, Verteilungen und Fundamente bereits für künftige Erweiterungen auslegen – Tiefbau macht man nur einmal.
  • Inbetriebnahme nicht unterschätzen: Backend-Konfiguration, Kommunikationstests und erste Ladevorgänge unter Realbedingungen sind erfolgskritisch.

Beim ersten DC-Projekt unsicher? Eine frühe Zweitmeinung von erfahrenen Partnern spart Zeit, Nerven und oft fünfstellige Beträge.

Obwohl DC-Ladestationen immer häufiger eingesetzt werden, spüren selbst erfahrene Installateure eine gewisse Zurückhaltung – oft wegen höherer Investitionen, komplexerer Planung und unklarer Anforderungen. Das muss nicht sein, mit guter Vorbereitung und einem strukturierten Vorgehen setzen Installateure DC-Projekte problemlos und erfolgreich um.

Kundenbedürfnisse verstehen

Am Anfang jedes DC-Projekts steht der konkrete Anwendungsfall. Dabei geht es zunächst nicht um Leistung oder Gerätetypen, sondern um die grundlegende Motivation der Auftraggeberin, in eine Ladeinfrastruktur zu investieren.

Nur wer Nutzung, Ziele und Rahmenbedingungen versteht, kann eine passende DC-Lösung konzipieren. Aspekte wie die gewünschte Ladegeschwindigkeit, die Anzahl zu ladende Fahrzeuge oder die mittel- bis langfristigen Ausbauoptionen müssen in dieser Phase abgeholt werden. Ebenfalls relevant ist die Analyse des betrieblichen Umfelds: was ist das Geschäftsfeld des Auftraggebers? Wie sieht die Flottennutzung aus? Gibt es bestimmte Ökologie-Ziele?

Diese Aspekte bestimmen, wie intensiv und flexibel die Ladeinfrastruktur genutzt wird und welche Optionen überhaupt in der Planung in Betracht gezogen werden können. Denn die Auswahl an DC-Optionen ist riesig: von der einfachen 50-kW-Ladestation bis zum Megawattcharging-Projekt gibt es alles, was das Herz (und der Kunde) begehrt.

DC-Ladestationen
Auch in Überbauungen werden mittlerweile kleinere DC-Ladestationen gezielt als Ergänzung zu AC-Ladepunkten eingesetzt.
Quelle: Simplee

Bedürfnisse präzisieren: vom Wunsch zur technischen Anforderung

Auf Basis der ersten Gespräche gilt es, die Kundenbedürfnisse zu konkretisieren und in technische Anforderungen zu übersetzen. Gerade bei DC-Projekten ist dieser Prozess entscheidend, da unklare Erwartungen schnell zu Mehrkosten oder ineffizienten Lösungen führen. Vor allem bei Erstprojekten lohnt sich der Austausch mit Partnern wie Simplee, die regelmässig DC-Ladeinfrastrukturprojekte umsetzen. Denn in der Praxis zeigt sich, dass eine externe Zweitmeinung in der Konzeptphase viele Iterationen und Mühe spart.

Im Fokus steht zunächst die Definition des Leistungsbedarfs. Relevant sind dabei nicht nur die maximale Ladeleistung, sondern vor allem das Zusammenspiel aus Anzahl maximal gleichzeitig ladender Fahrzeuge, verfügbarer Ladezeit und gewünschter Flexibilität im Betrieb. Und auch das Thema Lastmanagement muss berücksichtigt werden. Intelligente Lastmanagementsysteme sorgen dafür, dass die vorhandene Energie optimal verteilt wird – sowohl zwischen mehreren Ladepunkten als auch im Zusammenspiel mit anderen Verbrauchern am Standort.

Natürlich gehen DC-Projekte über den reinen Ladevorgang hinaus. Fragen zur Abrechnung, zur Wahl des Backends, zur Authentifizierung oder zur teilöffentlichen Nutzung sollten ebenfalls bereits in dieser Phase des Projekts geklärt und in den Projektanforderungen festgehalten werden.

In diesem Stadium zeigt sich der Wert der Beratung durch Elektroprofis besonders deutlich. Auftraggeber sind sich häufig nicht bewusst, welche technischen und wirtschaftlichen Konsequenzen ihre Anforderungen haben – und erst recht nicht, welche Lösungsansätze es gibt, um diese effizient umzusetzen. Gute Beratung ist nicht zwingend teuer. Ganz im Gegenteil: Vorausschauende Planung kann über die Lebensdauer eines Projekts massiv Kosten einsparen.

Bonuspunkte gibt es in dieser Phase des Projekts für Hinweise, wie die gewünschte Ladeinfrastruktur beispielsweise durch Speicherlösungen oder PV-Anlagen ergänzt werden können, um Lastspitzen zu glätten, Netzanschlusskosten zu reduzieren oder die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen. Entscheidend ist, diese Komponenten von Anfang an als Gesamtsystem zu denken und der Auftraggeberin die relevanten Optionen transparent aufzuzeigen.

DC-Laden
Wer bereits Erfahrung mit AC-Ladeinfrastruktur hat, steigt mit überschaubarem Zusatzwissen ohne Probleme auch in DC-Projekte ein.
Quelle: Simplee

Gegebenheiten vor Ort abklären: Planung vor Angebot

Die Standortbedingungen entscheiden massgeblich über Machbarkeit, Aufwand und Kosten. Eine frühzeitige Bestandesaufnahme reduziert Risiken und vereinfacht die spätere Umsetzung.

Bevor ein konkretes Angebot erstellt wird, braucht es deshalb einen detaillierten Blick auf die Gegebenheiten vor Ort. Wie bei AC-Projekten sind die Anschlussleistung des Gebäudes, verfügbare Leistungsreserven sowie Platzreserven in der bestehenden Elektroverteilung und die Erschliessungswege zu ermitteln, um grosse Kostentreiber zu identifizieren. Weitere Punkte, die bei der Begehung überprüft werden müssen: Ist eine Revision der Leistungsschalter nötig? Sind alle Brandabschottungen intakt? Sind die Erschliessungswege bereits voll? Funktionieren die Notleuchten noch?

Spezifisch für DC-Projekte sind aber auch andere Punkte zu berücksichtigen. Etwa allfällige Tiefbauarbeiten, Fundamente, Anfahrts- und Witterungsschutz sowie die Integration in bestehende Areale und Verkehrsflüsse. Solche baulichen und infrastrukturellen Faktoren haben bei DC-Projekten einen noch grösseren Einfluss auf Aufwand und Kosten.

In diesem Zusammenhang ein Tipp aus der Praxis: «Think Big». Erschliessung der Ladestation? Bereits für die maximalmögliche Leistung erstellen. Tiefbauarbeiten? Wenn immer möglich bereits die Erweiterungsmöglichkeiten einrechnen. Hauptverteilung? Am besten vorbereiten für einen späteren Ausbau der Ladeinfrastruktur – gegebenenfalls mit Batteriespeicher und PV. Gegebenenfalls macht es auch Sinn, die Hauptverteilung bereits zu verstärken oder ersetzen. Und wenn auch öffentliches Laden am Standort vorgesehen ist: Das Thema Beleuchtung unbedingt berücksichtigen! Falls all diese Punkte nicht oder nur beschränkt möglich sind, ist es wichtig, den Auftraggeber über allfällige Investitionen zu informieren, die mit einer späteren Erweiterung auf sie zukommen könnten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anbindung an Backend-Systeme und die Kommunikation der Ladeinfrastruktur. Weil ohne stabile Verbindung später Supportaufwand garantiert ist, müssen Fragen rund um die Kommunikation frühzeitig in die Planung aufgenommen werden.

Tipp: Eine saubere Bestandesaufnahme verhindert spätere Überraschungen in der Ausführungsphase. In der Praxis genügen oft Fotos, einfache Skizzen und ein kurzer technischer Bericht, um eine fundierte Planungsgrundlage für das weitere Angebot zu schaffen.

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Der Bedarf steigt: Über die Parkierkünste lässt sich zwar streiten, dass aber auch die Polizei mittlerweile auf elektrische Fahrzeuge setzt, ist sehr zu befürworten.
Quelle: Simplee

Produktwahl und -konzept: Gesamtsystem statt Einzelgerät

Von Weitem sichtbar, aber nur ein kleiner Teil der gesamten Ladeinfrastruktur: Die eigentlichen Ladestationen sind quasi die Spitze des Eisbergs. Über das ganze Projekt gesehen machen sie einen verhältnismässig geringen Teil aus, sind aber die Visitenkarte der Infrastruktur.

Eine Vergleichstabelle mit verschiedenen Produkteigenschaften könnte an dieser Stelle eine grobe Marktorientierung geben. Aufgrund der rasch fortschreitenden Entwicklung wäre diese jedoch bald wieder überholt. Darum zwei allgemeingültige Hinweise für die Auswahl der richtigen Hardware:

  • Skalierbaren Lösungen ist stets der Vorzug zu geben. Aus der Praxis ist kein DC-Projekt bekannt, bei dem später eine Verringerung der Ladeleistung gewünscht wurde, ganz im Gegenteil, regelmässig wird eine Erweiterung nachgefragt. In diesen Fällen bieten Ladestationen mit erweiterbaren Leistungsmodulen die gewünschte Flexibilität. So bieten beispielsweise Wallbox und Alpitronic DC-Ladestationen diese Möglichkeit.
  • Bei DC-Projekten steht nicht das einzelne Gerät im Vordergrund, sondern das Gesamtsystem. Ein durchdachtes Konzept sorgt dafür, dass die Lösung heute funktioniert, in ein ganzheitliches Energiekonzept eingebunden werden und morgen erweitert werden kann.

Umsetzung und Inbetriebnahme: sauber koordiniert zum Erfolg

Die Qualität eines DC-Projekts zeigt sich in der Umsetzung und insbesondere bei der Inbetriebnahme. Klare Zuständigkeiten, eine saubere Koordination aller Beteiligten und realistische Zeitpläne sind entscheidend, um Verzögerungen und unnötige Mehrkosten zu vermeiden.

Gerade bei DC-Projekten treffen unterschiedliche Gewerke und Verantwortlichkeiten aufeinander: Elektroinstallation, Tiefbau, Netzbetreiber und gegebenenfalls weitere Partner für Lastmanagement oder Energiespeicher. Eine frühzeitige Abstimmung der Schnittstellen verhindert Missverständnisse und stellt sicher, dass alle Komponenten zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind.

In der Inbetriebnahmephase zeigt sich, wie gut das Projekt vorbereitet wurde. Neben der elektrischen Prüfung der Anlage gehören dazu auch die Konfiguration des Backends, Funktionstests der Kommunikation, die Einbindung ins Lastmanagement sowie erste reale Ladevorgänge unter Betriebsbedingungen. Diese Tests sind essenziell, um Fehlerquellen frühzeitig zu identifizieren – bevor die Ladeinfrastruktur produktiv genutzt wird.

Ebenso wichtig ist die Übergabe an die Betreiberseite. Klare Dokumentationen, definierte Supportprozesse und eine kurze Einführung in Betrieb und Monitoring sorgen dafür, dass die Anlage nicht nur technisch funktioniert, sondern auch langfristig zuverlässig betrieben werden kann.

Ein strukturiertes Vorgehen in Umsetzung und Inbetriebnahme entscheidet darüber, ob ein DC-Projekt als Erfolg wahrgenommen wird – oder ob es durch vermeidbare Nacharbeiten und Supportaufwand unnötig belastet wird.

simplee-energy.ch